"Die Mozaraber. Kulturelle Identität zwischen Orient und Okzident"

Teilprojekt Orientalistik

 

Betreuer: Prof. Dr. Hartmut Bobzin (Erlangen)
Bearbeiter: Daniel Potthast

 

Das arabistisch-islamwissenschaftliche Teilprojekt widmet sich den Religionskontakten zwischen Muslimen und Christen auf der iberischen Halbinsel vom 11. bis zum 13. Jahrhundert. Als Ausgangspunkt dienen die die muslimischen Polemiken Ibn Hazms ( Kitab al-fisal wa-l-milal ), al-Khazrajis ( Kitab maqami' as-sulban ) und al-Qurtubis ( Kitab al-i'lam bi-ma fi din an-nasara min al-fasad ) auf muslimischer Seite und ein Korpus polemischer Schriften aus Toledo und die lateinischen Koranübersetzungen durch Robert von Ketton und Markus von Toledo. Diese Texte wurde bisher weitestgehend nur auf die christliche Perspektive auf den Islam untersucht; das arabistisch-islamwissenschaftliche Teilprojekt versucht, eine eurozentristische Sichtweise zu vermeiden und stattdessen beide Kulturen gleichberechtigt zu behandeln. Dabei versucht es die Möglichkeiten und Grenzen eines gegenseitigen Religionsverständnisses zu ergründen.

Als erster Schritt sollen die muslimischen Autoren in die allgemeine Tradition antichristlicher islamischer Polemik eingeordnet werden. Diese Literatur stammt weitestgehend aus dem Orient und ist dementsprechend gegen das orientalische Christentum gerichtet. Ein Untersuchungsgegenstand muss daher sein, inwieweit die andalusischen Autoren das lateinische Christentum als abgesondert vom orientalischen Christentum erkannten. Auch ist die Frage zu stellen, ob von muslimischer Seite Differenzierungen zwischen Mozarabern und anderen nichtarabisierten Christen in Iberien vorgenommen wurden.

Der Vergleich zwischen muslimischer und mozarabischer Polemik wird auf zwei Feldern erfolgen:

  1. Die Wahl des Textkorpus ermöglicht einen diachronen Vergleich der Texte vor dem Hintergrund der geistes- und ereignisgeschichtlichen Entwicklung Andalusiens vom Ende des Kalifats von Cordoba bis zur Almohadenhersschaft. Gerade auf muslimischer Seite musste der zunehmende Druck durch die Reconquista zur Veränderung des Umgangs mit den Christen führen. Während Ibn Hazm sein Kitab al-fisal wa-l-milal noch eine Art religionswissenschaftlicher Studie konzipieren konnte, findet bei al-Khazraji und al-Qurtubi eine Suche nach einer Grundlage, von der aus überzeugend für den Islam argumentiert werden konnte, statt.
  2. Um dem Anspruch einer Studie über das gegenseitige Religionsverständnis gerecht zu werden, muss untersucht werden, an welchen Problemen dieses Verständnis scheitern konnte. Hierbei soll vor allem eine Konzentration auf die sprachlichen Besonderheiten des christlichen Arabisch erfolgen. Die zu bearbeitenden christlichen Polemiken entstanden alle in Toledo nach der Eroberung durch die Christen; muslimische Vorbilder für ein korrektes Hocharabisch standen ihren Autoren also höchsten in einem geringen Umfang zur Verfügung. es ist also zu untersuchen, wie sich Arabische in diesem Umfeld in an Muslime adressierten Texten entwickelte. Zentraler ist aber noch die Frage, inwieweit die zahlreichen lexikalischen Besonderheiten des christlichen Arabisch von den Muslimen verstanden wurden und ob sie in ihren Argumentationen die möglicherweise grundlegenden Unterschiede zwischen muslimischen und mozarabischen Theologien in der epistemologischen und ontologischen Fundierung nachvollziehen konnten.

 

 

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Letzte Änderung am 30. September 2008