"Vermittler zwischen Ost und West: Griechisch-orthodoxe und lateinische Christen unter muslimischer Herrschaft als integrative Kräfte in der Levante (13.-15. Jahrhundert)"

 

Betreuer: Prof. Dr. Günter Prinzing (Mainz)
Bearbeiter: Dr. Johannes Pahlitzsch (Mainz)

 

Das östliche Mittelmeer stellte seit den Kreuzzügen einen Raum besonders häufiger Begegnungen und intensiven Austauschs zwischen lateinischen und byzantinischen Christen auf der einen und Muslimen auf der anderen Seite dar. Indem es offen für alle war, so daß sich Byzantiner, Lateiner und Muslime gleichermaßen frei auf ihm bewegten, trennte das Meer nicht nur, sondern verband auch gleichzeitig. Diese Offenheit schuf dabei vielfältige Beziehungen sowohl auf individueller wie auch institutioneller Ebene, so daß durchaus von einem eigenen „Kommunikationsraum“ gesprochen werden kann. Sicher war das gegenseitige Verhältnis auch von immer wieder aufflackernden Konfrontationen geprägt. Andererseits entwickelten sich aber gerade in diesem Raum vielfältige Formen der Koexistenz. Wie Norman Housley gezeigt hat, konnte sich unter diesen Umständen auf lateinischer Seite das Konzept einer Grenze zwischen Christenheit und Islam zumindest bis zur osmanischen Expansion in die Ägäis nicht herausbilden. Dabei wurde die Levante, die zuvor stets dem byzantinischen Einflußbereich zugehörte, durch die Kreuzzüge und die in deren Folge etablierte lateinische Herrschaft über Zypern sowie die damit einhergehende Expansion der vornehmlich italienischen aber auch katalanischen Handelsstädte an das westliche Europa angebunden.

Im Projekt soll die bedeutsame Rolle im Vordergrund stehen, die Christen und christliche Gemeinschaften als Vermittler bei der Integration des Raumes Levante gespielt haben, indem sie überregionale Netzwerke schufen und als Grenzgänger oder go-betweens sich die politische, religiöse und kulturelle Vielfältigkeit des Raumes zu Nutze machten. Dabei wird nicht von einem einheitlichen Konzept von Vermittlung ausgegangen, das bei der Vielfältigkeit der zu beschreibenden Phänomene nur einengend gewirkt hätte. Vielmehr werden unter diesem Begriff ganz unterschiedliche Formen des Kontakts, der Übermittlung von Informationen, der politischen Vermittlung, der Einflußnahme oder des Austauschs zusammengefaßt. Während die hier beschriebenen häufigen Seitenwechsel einerseits durch die Durchlässigkeit der Grenzen erst ermöglicht wurden, verstärkten sie andererseits gleichzeitig diese Offenheit. In der Levante ist somit nicht von klar definierten kulturellen Grenzen auszugehen, so daß sie als ein „Dritter Raum“ oder nach Homi Bhabha als ein „Schwellenraum zwischen den Identitätsbestimmungen“ par excellence beschrieben werden kann.

Konkret werden in meinem Projekt als erste Gruppe einzelne italienische und griechisch-orthodoxe Händler behandelt, die sich durch vermittelnde Tätigkeiten sei es auf wirtschaftlichem oder diplomatischen Gebiet oder durch die Abfassung von Briefen und Traktaten, die sich mit der Levante beschäftigten, auszeichneten. Die zweite, ungleich größere Gruppe bilden Kleriker und Mönche, die sich zwischen den verschiedenen Kulturen bewegten und/oder in eigenen Gemeinschaften innerhalb der muslimischen Gesellschaft lebten. Hier werden auch kirchliche Institutionen, nämlich die griechisch-orthodoxen Patriarchate von Alexandria und Jerusalem sowie die Custodia di Terra Santa der Franziskaner berücksichtigt. Ebenso miteinbezogen wird Zypern, das als lateinisches Königreich mit einer überwiegend orthodoxen Bevölkerung und als Station auf dem Handelsweg zwischen Orient und Okzident eine bedeutsame Zwischenstellung in den Beziehungen zwischen lateinischer und orthodoxer Christenheit und dem Islam einnahm. Das Innovative an diesem Projekt besteht dabei darin, daß das integrative Wirken der im Beziehungsgeflecht zwischen Ost und West agierenden Personen und Gemeinschaften hier erstmals unter diesem Aspekt umfassend zusammengestellt und beschrieben wird, so daß eine differenzierte Beurteilung dieses Prozesses möglich wird.

.

zurück

Letzte Änderung am 25. Oktober 2008