"Onomastik und Akkulturation. Die Entwicklung der Namengebung, ihrer Semantik und Motivation in der Begegnung von Christentum, Imperium und barbarischen gentes zwischen Spätantike und frühem Mittelalter (4. - 8. Jahrhundert)"

 

Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Haubrichs (Saarbrücken)
Bearbeiter: Dr. Christa Jochum-Godglück/Andreas Schorr (Saarbrücken)

 

In Spätantike und frühem Mittelalter sind große Teile Süd- und Westeuropas von den Begegnungen der römischen Zivilisation und des Christentums mit den gentilen Gesellschaften geprägt. Während sich in der Mehrzahl der kulturellen Domänen römische und christliche Traditionen etablieren konnten, kam es im Bereich der Namengebung (Onomastik) dazu, dass sich mit regionalen Unterschieden die germanisch-gentile Tradition weitgehend durchsetzte ein bis heute unerklärtes Phänomen. Die Analyse der in Aufbau, Semantik und Funktion sehr unterschiedlichen, in manchen Aspekten aber auch konvergierenden romanischen und germanischen Namensysteme ist angesichts der geringen Anzahl sonstiger Quellen für diese Zeit besonders geeignet, die verschiedenen Formen einer Akkulturation ihrer Träger zu beobachten.

Personennamen, eine auf den ersten Blick eher spröde Quelle, bieten den Vorteil, sich sowohl datieren als auch in der Regel verorten zu lassen. Dazu sind sie meistens ohne direkte Wirkungsabsicht und Intention, also quasi-objektiv in die Überlieferung gelangt. Damit sind sie über das engere Fachgebiet der Onomastik hinaus nicht nur wichtige sprachliche Zeugnisse und damit philologische Quellen ersten Ranges, sondern auch wichtige historische Quellen, denen in der quellenarmen Zeit von Spätantike und frühem Mittelalter eine besondere Bedeutung zugemessen werden muss.

Anliegen des Projekts ist es, alle Phänomene, die aus dem Kontakt der beiden Namensysteme resultieren, die der Anpassung und Übernahme, aber auch die der Desintegration, der Abgrenzung und des Schwundes, zu untersuchen und zu beschreiben.

Der Untersuchungsraum umfasst Italien, die Gallia sowie die Rheinlande, die Donaulande und die Alpenregion. In diesen Gebieten trafen die spätantike römische Zivilisation und die gentilen Gesellschaften mit jeweils spezifischen Auswirkungen aufeinander. Diese Prozesse der Integration und Desintegration lassen sich zum Teil über mehrere Jahrhunderte verfolgen. Die Iberische Halbinsel wird vergleichend mit einbezogen.

Die in Form einer internetbasierten Datenbank zur Verfügung stehende Sammlung der Personennamen der germanischen Völker und Reiche der Völkerwanderungszeit und des frühen Mittelalters (ca. 300 bis ca. 800), die großen onomastischen und prosopographischen Lexika und nicht zuletzt die reichhaltigen Inschriftensammlungen für Spätantike und frühes Mittelalter bieten für das Vorhaben die idealen Voraussetzungen.

Neben einer Reihe von Aufsätzen, die teilweise bereits erschienen bzw. im Entstehen begriffen sind, soll die Buchveröffentlichung am Ende der Projektarbeit die kohärente Synthese unserer Forschungsergebnisse präsentieren. Die Beiträge der Bearbeiter und des Projektsleiters werden in einem kooperativen Schreibprozess, jedoch mit Verantwortlichkeiten der beteiligten Autoren für Kapitel oder, was häufiger der Fall sein wird, für Teilkapitel zusammengeführt.

 

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Letzte Änderung am 5. November 2008