"Mediterranes Kaisertum und imperiale Ordnungen zur Zeit Kaiser Friedrichs II.
(ca. 1200 - ca. 1250)"

 

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinfurter (Heidelberg)
Bearbeiter: Dr. Stefan Burkhardt

Um 1200 unterliegt die Konzeption "Kaisertum" tief greifenden Transformationsprozessen: multipolare Ordnungsmodelle scheinen das seit der Spätantike prägende bipolare Modell - Ostkaisertum/Westkaisertum - abzulösen. Das Projekt untersucht Bedeutungsdimensionen, Inszenierungen, Austauschprozesse und die praktische Wirkung der Konzeption Kaisertum in Ost und West am Beispiel der Herrschaft Friedrichs II. und will hierdurch auch den Beitrag dieser Konzeption zur Integration und Desintegration von Kulturen herausarbeiten.

Denn eine der faszinierendsten Gestalten des Mittelalters ist zweifellos Kaiser Friedrich II. Seine Herrschaft "zwischen den Kulturen" (David Abulafia) weckte schon frühzeitig das Interesse der Forschung. Umstritten blieb dabei jedoch stets das Verhältnis von "Orient" und "Okzident" in seiner Person, seiner Herrschaftsausübung und in den sizilischen Herrschaftsstrukturen.

Mein Projekt widmet sich einem Vergleich Siziliens, des lateinischen Kaiserreichs von Konstantinopel, Spaniens und Frankreichs, um die Regierung Friedrichs II. in neuer Weise in das Phänomen der abendländischen Herrschaftsform "Kaisertum" einordnen zu können. Das übergeordnete Ziel ist es, den Stellenwert der von Byzanz ausgehenden Impulse und ihre integrativen oder ausgrenzenden Wirkungen für die europäische "Herrscherkultur" zu bestimmen.

Zentrale Methode soll die Analyse der symbolischen Handlungen und ihrer Zeichen sein, aus denen auf imperiale Konzepte geschlossen werden kann. Zu untersuchende Themenbereiche sind etwa Verfahren der Regierung, Justiz und Strafkultur, Hof und Hofzeremoniell Siziliens. Hinzutreten soll:

1. eine weitere Differenzierung der Einflüsse anderer Kulturkreise, ihrer Ordnungsvorstellungen und Ordnungskonfigurationen, auf die Herrschaft Friedrichs II., insbesondere durch die Einbeziehung der Entwicklungen im Reich nördlich der Alpen, in Westeuropa (Frankreich) sowie durch eine Berücksichtigung normannischer und arabischer Einwirkungen.

2. eine intensivierte Berücksichtigung des für das Schwerpunktprogramm zentralen Themenkomplexes der "Wahrnehmungs- und Deutungsweisen von Differenz", gerade auch hinsichtlich des scheinbaren Gegensatzpaares "West" und "Ost".

Die Untersuchung soll schwerpunktmäßig auf die Figur des Herrschers Friedrich II. und räumlich auf das "Königreich beider Sizilien" konzentriert werden. Grundsätzlich ist ein Kultur vergleichender Ansatz zu verfolgen, und ebenso soll die Fragestellung der imperialen Repräsentation eine zentrale Rolle spielen. In zweierlei Hinsicht gilt es den methodischen Ansatz jedoch zu erweitern: Zum einen soll auch die funktionale Dimension der Handlungen Friedrichs II. berücksichtigt, zum anderen ihre strukturelle Bedingtheit nachgezeichnet werden.

Folgende Fragen stehen im Mittelpunkt der Arbeit: Welche Strukturen/Ordnungskonfigurationen sind in Politik und Kriegswesen, Recht, Kultur, Religion, Wirtschaft und "Gesellschaft" in Sizilien zur Zeit Friedrichs II. vorzufinden? Welchen Einfluss hatten die verschiedenen Kulturen und Kulturräume auf die strukturelle Konfiguration Siziliens? Wie wurde hierdurch "Differenz" zu anderen Kulturräumen geschaffen? Weshalb handelte Friedrich II. in einer bestimmten Art und Weise? Wie legitimierte, wie repräsentierte Friedrich II. seine Handlungen selbst? Wie wurden diese Handlungen Friedrichs II. von Dritten interpretiert?

Als Quellenkorpus sollen hinzugezogen werden: erzählende Quellen, Verwaltungsschriftgut, Rechtssammlungen (weltlich, kirchlich), Architektur, Skulptur und Ikonographie.

 

 

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Letzte Änderung am 30. September 2008